Gastfreundschaft und Insider-Tipps -Informationen für das Leben auf Mallorca

12. November 2008 | ID: 251 | 69 Artikeleinblendungen



Als wir knapp einer Woche unseres Urlaubes hinter uns gebracht hatten, zog in die Wohnung neben unserer ein junges nettes, sehr offenes Pärchen ein. Die Beiden sprachen ein wenig deutsch. Aber hauptsächlich sprachen sie eine Sprache, die wir zunächst nicht einzuordnen wussten. Spanier jedenfalls waren sie nicht. Eher dann schon Russen, in jedem Fall jedoch nach unserer Einschätzung Osteuropäer.

Am nächsten und übernächsten Tag passierten dann in der Wohnung einige merkwürdige Dinge: Es standen Pappkartons vor der Tür und ich begegnete einem Typen, dessen Kleidung und Gesicht von weißer Farbe getränkt waren. pixelio.de PinselDa wir ja viel unterwegs waren, bekamen wir natürlich nicht alles mit und so blieben die Geschehnisse sehr geheimnisvoll.

In einem Gespräch mit Reinaldo stellte sich dann heraus, dass es sich bei den beiden nicht - wie von uns vermutet - um Urlauber handelte, sondern um ein Pärchen, das schon seit mehreren Jahren in einem Hostal (einem Billighotel auf Mallorca) gewohnt hatte. Reinaldo hatte den Beiden nun angeboten, die Wohnung dauerhaft zu mieten, denn offensichtlich hatte sich der neue Besitzer des Hauses entschlossen, die Ferienwohnungen in reine Mietwohnungen umzufunktionieren.

Auf Basis der Kenntnis der "Qualität" unserer Wohnung fragten wir uns allerdings, wie jemand in eine solche Wohnung dauerhaft einziehen konnte…

Aber irgendwie waren die beiden uns sympathisch. Und der kleine, sehr junge Hund, den sie hatten, war so eine Art Bindeglied zwischen ihnen und uns, denn Puhpy, wie sie ihn nannten, schaute immer mal wieder bei uns vorbei. Zunächst sehr ängstlich, aber mit der Zeit immer zutraulicher werdend. pixelio.de Hund

Am drittletzten Tag unseres Mallorca-Aufenthaltes kehrten wir nachmittags von einem unserer Ausflüge zurück. Die Beiden standen mit Puhpy spielend vor ihrer Wohnungstür und fragten, ob wir einen schönen Tag gehabt hätten. Wir erzählten ein wenig und erfuhren während des Gespräches, dass die Beiden Nicol und Paul hießen und Tschechen waren, die seit einigen Jahren auf Mallorca lebten. Nachdem sie sich nun endlich entschlossen hatten, aus dem Hostal auszuziehen und eine eigene Wohnung zu mieten, waren sie natürlich unendlich stolz auf "die eigenen vier Wände".

"Kommen, Kommen herein", sagte Paul mit einem forderndem Unterton, der praktisch keinen Widerspruch zuließ. "Trinken Kaffee!"

WIr folgten den Beiden ein wenig zögerlich und kamen…

…in eine andere Welt.

SIe hatten sich diese Wohnung auf eine Weise zurecht gemacht, die wir im Hinblick auf die "Qualität" unserer Wohnung für nicht möglich gehalten hatten. Es war sehr sehr schön. Die Wohnung hatte Flair, war sauber und hell. Und: sie roch gut!

Wir erfuhren, dass ein Freund von Paul geholfen hatte,  zu renovieren. Wir waren echt begeistert. Das war gut gelungen! 

Dennoch ließ uns die Höhe der Monatsmiete, die uns die Beiden unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauten schlucken. Für eine solche Miete würde in Deutschland keiner in eine 60 Quadratmeter-Wohnung ziehen. Aber, wir lernten auch, dass es auf Mallorca grundsätzlich schwierig ist, eine einigermaßen akzeptable Wohnung mit vernünftigen Fenstern und funktionierender Heizung zu bekommen. Und das war hier gegeben. Unter diesem Aspekt musste man die Miete
natürlich völlig neu betrachten…

pixelio.de Tapas Wir hatten gemeinsam einen schönen Abend, an dem wir die intensive Gastfreundschaft von Nicol und Paul genießen durften. Nach dem Kaffee wurden noch Bier, Sekt und kleine Leckereien angeboten. Die uns entgegen gebrachte Freundlichkeit ließ sogar die Verständigungsprobleme in den Hintergrund treten. Es war einfach nur nett!

Kurz bevor wir uns zum Gehen wandten fiel mein Blick plötzlich auf die Tür, die den ganzen Abend offen gewesen war. "Moskitos?", fragte ich "Wo sind die Moskitos?" Da lächelte Paul über alle vier Backen und ging zu einer Steckdose direkt neben der Eingangstür. "Musst du haben das. Dann keine Moskitos!" Er zog eine Art Duftstecker aus der Steckdose und hielt ihn uns entgegen. Der war völlig duftfrei. Aber die Wirkung auf Mücken war unverkennbar. Hätten wir zu dieser Zeit die Tür bei uns geöffnet, so wären mit Sicherheit hunderte von Stechmücken über uns hergefallen. Da hätte auch das äußerst teure Insektenspray, das nur bei geschlossenen Fenstern und Türen wirkliche Wirkung erzielte, nur wenig geholfen.

Ich hatte schon oft Testberichte über solche elektrischen Systeme gesehen und gelesen. Bisher immer mit negativer Bewertung. Das, was wir hier live erlebten, war aber absolut belastbar und ließ jeden weiteren Zweifel verstummen.

Nunja, vielleicht funktioniert es ja nur bei Mallorkienischen Mücken ;)

Es folgten noch zwei weitere nette Begegnungen mit Nicol und Paul, die uns anboten, dass wir bei unserem nächsten Besuch auf Mallorca nur am Tag vorher anrufen bräuchten und schon würde uns Paul bei unserer Ankunft vom Flughafen abholen und zu unserer Wohnung fahren. Meinen wirklich spaßig gemeinten Einwurf, dass wir ja bei den Beiden gegen Logis schlafen könnten, wenn wir mal für ein verlängertes Wochenende kommen würden, beantworteten sie, indem sie uns ein Zimmer zeigten, in dem wir jederzeit schlafen könnten… pixelio.de Herzlich Willkommen

Am Morgen unserer Abreise kam Paul von seiner Nachtschicht nach Hause und er schaute noch einmal zusammen mit Nicol bei uns vorbei. Zum Abschied schenkten sie der Bine und mir je eine Halskette. Als wir meinten, dass wir selten so viel Gastfreundschaft erlebt hätten, sagte Paul ein Wort, das er in den letzten Tagen immer wieder gesagt hatte (mit tschechischem Akzent): "Normal!"

Nein, meine lieben Freunde, das war nicht normal! Das war etwas sehr Besonderes! Vielen Dank noch einmal dafür!

Wirklich normal war auch nicht, dass uns Reinoldo am Morgen unseres Abfluges dann mit seinem Auto zum Flughafen fuhr. Und das nur, weil wir gefragt hatten, ob wir uns wohl auf die Taxis verlassen könnten, wenn wir sie am Vortag bestellen würden.

Ohne diese drei Menschen wäre unser Urlaub sicherlich anders verlaufen. Wir haben gelernt, dass man auch auf Mallorca nicht abgzockt wird, wenn man auf die richtigen Menschen trifft. Und das Glück haben wir wohl gehabt!

Liebe Grüße

Ralf

 

Verwendete Bilder sind von:
© Maria Lanznaster/ PIXELIO (Bild 1)
© Paul-Georg Meister/PIXELIO (Bild 3)
© Gerd Altmann/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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Artikel wurde veröffentlicht am: Mittwoch, 12. November 2008
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